Existierst du noch oder lebst du schon?

Wenn du dich in der Welt einmal umschaust, intensiv, dann wirst du plötzlich Dinge sehen, die du vorher nicht wahrgenommen hast. Ob es eine kleine Raupe, auf einem Blatt auf dem Boden ist oder ein Haus, das auf deinem täglichen Arbeitsweg liegt. Wie oft nehmen wir unsere Umgebung wirklich wahr?

Sehr selten. Warum? Weil die meisten Menschen, insbesondere die deutschen, in ihrem Alltag sehr gestresst sind. Sie hetzen von einem Ort zum nächsten, und denken dabei darüber nach, was sie übernächste Woche Dienstag zu Essen machen sollen. Die meisten von uns, mich eingeschlossen, sind zu sehr mit der Zukunft, die wir sowieso nicht vorhersehen können, beschäftigt, dass wir die Gegenwart vollkommen vergessen. Ich würde mal behaupten wir haben es sogar verlernt im Hier und Jetzt zu leben.

Wenn ich in die Vergangenheit zurückblicke, zu den Steinzeitmenschen, stelle ich mir vor, wie der Mann jeden Tag auf Jagd nach Tieren in die Natur läuft und die Frau Beeren sammelt. Sie mussten sich Tag für Tag ihre Umgebung genau ansehen, weil irgendwo in einem Gebüsch ein Löwe lauern konnte. Sie hatten gar keine andere Wahl, als alles bewusst wahrzunehmen und in der Gegenwart zu leben. Sie konnten nicht vorher planen, was es zu essen gibt, weil es nur das geben konnte, was sie gefunden haben. Der Unterschied ist, die Menschen von damals haben bewusster gelebt, weil sie Angst hatten. Heutzutage müssen wir natürlich keine Angst mehr davor haben, kein Essen zu finden, der nächste Supermarkt ist ja nie weit weg. Die einzige Angst, die wir noch haben, ist die zu existieren ohne zu leben.

Nimm dir jetzt mal einen Augenblick Zeit und denk darüber nach wann du das letzte Mal BEWUSST etwas wahrgenommen und erlebt hast. War das vielleicht in deinem letzten Urlaub?

Achtung, Falle!

Vielleicht denkst du nur, es war dein letzter Urlaub, als du dir gerade irgendeine Touristen-Attraktion angeschaut und fotografiert hast. Wie hast du dich in diesem Augenblick gefühlt? Warst du dankbar dafür, dass du da sein durftest oder hast du nur eben ein Foto fürs Album geschossen, einen Punkt auf deiner Sehenswürdigkeitenliste abgehakt und bist nichts wie weiter zum nächsten Punkt gerannt?

Hast du dir einmal die Frage gestellt, welche Situationen deines Lebens du dir in ein Fotoalbum klebst und welche wirklich darein gehören? Sind es die Momente, in denen du vor einem Berg, einer Pyramide oder auf einer Mauer stehst, die dich glücklich machen oder die, in denen du mit einem geliebten Menschen zusammen bist?

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