Die Facetten des Todes

„The artist of this temple is also the artist of the white temple“, erklärte uns unser Guide auf dem Weg dorthin. So schön wie der white Temple ist, war ich sehr gespannt auf den schwarzen Temple, doch was ich dann sah….damit hätte ich nicht gerechnet.

Mit großen Augen blicke ich auf die riesige schwarze Tempelanlage unmittelbar vor mir und stehe da, wie vom Schock getroffen. Etwas beunruhigt, aber doch Neugierig betrete ich den ersten Tempel. Düster, schwarz und angsteinflössend. Das sind die Begriffe für das, was dieses Gebäude für mich ist. Ich spüre gerade zu wie eine Welle aus negativer Energie sich in mir ausbreitet als ich diverse Möbelstücke von Nahem betrachte. Ein langer Tisch aus dunklem Holz und mit Krokodilhaut gedeckt bildet die Mitte des Raumes. An den beiden Enden der Tischtafel steht jeweils ein thronartiger Stuhl, der mit Tierknochen und Hörnern verziert ist. Minutenlang schaue ich mir diese Krokodilhaut intensiv an. Ich bin irgendwie fasziniert von dieser Echtheit und Schönheit des Tieres. Es sieht noch so lebendig aus, dass ich das Gefühl habe es könne mich mit jedem Moment angreifen. Das war dann das Gefühl, das mich ruckartig aus meiner Starre der fasziniatin rausbrachte und ich mit schnellen Schritten weiter ging. Der Tempel war sehr spärrlich eingerichtet.

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Zwei Tische, ein paar knochige Stühle, Säulen, in denen skurrile Gesichter und Wesen geschnitzt sind, Tierfelle und Häute.
Die gute Laune, die ich immer dabei habe, verschwindet immer mehr in Anbetracht der vielen Begegnungen mit dem Tod. Ich fange an nachzudenken und will verstehen, was hinter dem Ganzen steckt. Die Frage, die sich mir immer stellt ist: „Was waren bloß die Gedanken und der Anlass des Künstlers diesen Tempel zu konstruieren, nachdem er einen so märchenhaften Tempel erbauen ließ?“
War es eine Art verstecktes Yin und Yang? In jedem Hellen, befindet sich ein Fleck des Dunklen, und andersrum. Sprich, in jedem Menschen liegt auch eine dunkle Seite verborgen, die der Künstler so zum Vorschein bringt. Wollte er uns eine solche Botschaft hinterlassen oder ist die schwarze Tempelanlage nichts weiter als eine Art Open Air Museum seiner Schätze als geheimer Sammler von Tierteilen.
Ich verließ das erste Gebäude und dachte darüber nach.
Nach möglichen Antworten suchend, spaziere ich durch den Garten, in denen weitere Tempel und kleine Holzgestelle stehen, die ebenfalls mit seinen Errungenschaften ausgestattet sind.
Ich war jedoch so in Gedanken versunken, dass ich meine Füße nicht mehr bewusst gesteuert habe, sondern sie einfach wie von selbst liefen.
Ein beinahe Zusammenstoß mit einem an der Wand hängenden Kugelfisch, riss mich wieder zurück ins hier und jetzt.
Inmitten einer Leichenausstellung von Wassertieren fand ich mich nun wieder. Rochen, Kugelfische und gewöhnliche Fische, die noch so lebendig aussehen, abgesehen von den fehlenden Augen, wurden dekorativ im Garten der Tempelanlage platziert.
Nachdem ich mich anschließend über die Beweggründe des Künstlers informiert habe, habe ich herausgefunden, dass er damit die verschiedenen Facetten des Todes darstellen wollte.
Durch das Platzieren von toten Lebewesen, hätte ich mir das auch selber denken können, doch so ganz glaube ich nicht, dass da nicht mehr hintersteckt.
Wie dem auch sei. Wissen werde ich es sowieso nicht, da der Künstler selbst schon das Zeitliche gesegnet hat.

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