Bei Mozart zu Hause

Wien, 2017. Meine Schulzeit liegt genau fünf Jahre zurück. Obwohl ich in meiner pubertären Phase nicht so viel Wert auf den Unterricht gelegt habe, wie ich es hätte sollen, gehörte ich doch meist zu den Schülern, die aufpassten und dem Lehrer zuhörten. Ich verhielt mich aber eher schüchtern, meine Meinung unaufgefordert in den Raum zu werfen so wie viele andere es taten, war nicht so meins. Ich saß lieber still auf meinem Platz, schrieb mit was der Lehrer auf die Tafel schrieb und hebte meinen Arm nur dann, wenn ich mir sicher war, dass meine Antwort auch richtig ist. Zwar gehörte ich nie zu den Überfliegern, sondern eher zum guten Mittelmaß, dennoch glaubte ich ich wüsste viel über die Dinge, die wir lernten.

Wolfang Amadeus Mozart ist natürlichem jedem ein Begriff, doch ich glaubte mehr als dass er ein Wunderkind war, die 9. Symphonie und die Zauberflöte komponierte gäbe es nicht über ihn zu wissen. Sissi und Franz konnte ich auch klar einordnen, die berühmten Filme mit Romy Schneider kommen mir direkt ins Gedächtnis, wenn ich auch nie einen Film ganz gesehen hatte. Kaiser und Kaiserin von Österreich, doch mehr konnte ich zu den beiden nicht wirklich sagen. Mit Freud wurde ich in der Schule zwar nicht konfrontiert, doch auch er war als Psychoanalytiker in meinem Gedächtnis verankert.

Eine Woche in der märchenhaften Hauptstadt Österreichs hat mein Wissen nicht nur um Einiges erweitert, es ist fast so, als hätte ich über diese Personen rein gar nichts gewusst. Ob ich über Mozart, Freud und dem Kaiserpaar im Buch lese, ist etwas komplett anderes als bei denen zu Hause zu sein. Ich habe Geschichte nicht gelesen, sondern sie live erlebt. Es waren für mich jedesmal magische Momente mit meinem Füßen genau dort zu stehen, wo diese Berühmtheiten einst lebten. Doch wie genau wohnen sie eigentlich und was gibt es dort alles über sie zu erfahren?

Mozart war der erste, dessen Wohnsitz wir uns ansahen und als wir nach Österreich gefahren sind, wusste ich noch nicht einmal, dass der Komponist hier lebte. Das einzige, was ich noch über ihn wusste war, dass er in Salzburg geboren wurde. Knappe drei Jahre ließ er sich in Wien mit seiner Familie und den Bediensteten nieder, was für ihn eine lange Zeit war.

Es ist ein Mehrfamilienhaus, dessen Treppenflur mit schwarzem, verschnörkeltem Geländer schick anzusehen war. Seine Wohnung bestand aus aufeinander folgenden großen Zimmern mit hohen Decken. Einer seiner Lieblingsbeschäftigung neben dem Komponieren war das Billard spielen. Er hatte sogar ein ganzes Spielzimmer, in dem ein riesiger Billardtisch die Mitte füllte. Ein kleiner Spieltisch mit eingebautem Schachspielfeld gehörte mit zu seiner Sammlung. Wolfgang Amadeus Mozart gilt zwar heute noch als Wunderkund, doch ohne die Connections seines Vaters wäre er nie da angelangt, wo er damals war und uns allen heute nicht so bekannt. Ein guter Freund Mozarts war sogar Joseph Haydn, welcher ihn als Komponisten sehr verehrte. Ich hätte nicht einmal gedacht, dass die beiden zur selben Zeit gelebt haben. Wenn ich es richtig verstanden habe existiert kein originalgetreues Bild von Mozart, lediglich Nachbildungen oder sogar Portaits, die ihn so zeigten, wie der Künstler sich ihn einfach vorgestellt hatte.

Das alles und noch viel mehr konnte ich in seiner Wohnung in Wien, die jetzt Teil eines Ausstellungsmuseums ist lernen, doch genau dort zu stehen, wo er gelebt und gearbeitet hat, war das Magische am Lernen. Ich hatte sogar das Gefühl als hätte Mozart seine kreative Energie in den Räumen hinterlassen.

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