Ein Sack voll Zeit, bitte!

Zeit ist relativ – sagte Einstein

Zeit ist kostbar – sage ich

Zeit ist Geld – sagt die Gesellschaft.

 

Wir haben alle Recht. Zeit ist alles und auch nichts. Zeit ist unfassbar wie das Licht. Zeit ist einfach da. Niemand weiß wie viel. Niemand weiß wie lange noch. Zeit ist da – das ist das einzige, was wir über Zeit wissen. Und das ist nicht viel. Aber genug, um zu erkennen, dass wir die Zeit in der Hand haben. Es gibt die Arbeits-Zeit, die Frei-Zeit, die Lebens-Zeit. Wie wollen wir unsere Zeit verteilen? Wir können es entscheiden.

Dazu müssen wir erstmal wissen, was das alles bedeutet. Arbeitszeit, die Zeit, in der wir arbeiten. Die einen gehen gerne arbeiten, die anderen tun es um zu leben. Die, die es tun um zu leben, haben im Durchschnitt 8 Stunden am Tag Zeit-Verschwendung! Zeit, die sie am liebsten so schnell wie möglich hinter sich gebracht haben wollen. Zeit, die sie einfach nur totschlagen. Aber so ist das nunmal. Wollen wir überleben, brauchen wir Geld. Die Freizeit ist das Gegenteil von der Arbeitszeit. Zumindest bei den meisten Menschen.Wir werden nicht gezwungen zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein. Das wären im Durchschnitt die restlichen 8 Stunden am Tag, die uns zur freien Verfügung stehen. Was machen wir dort? Fernsehen, weil der Arbeitstag so anstrengend war? Uns mit dem Müll aus den Medien eine Gehirnwäsche verpassen? In einer virtuellen Welt leben? Computer spielen, weil wir dort jemand sein können, der wir in Wirklichkeit nicht sind? Die Frage ist ja: Warum können wir nicht so sein wie wir sein wollen? 

Weil wir dann anders sind als die anderen? Nicht mehr in die Gesellschaft passen? Von unserem Umfeld nicht mehr akzeptiert werden?

Wir alle wissen nicht, wie groß unser Säckchen ist, das mit Zeit gefüllt ist. Sollten wir dann nicht die Zeit nutzen, dieser Jemand zu sein, der wir gerne wären?

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Wie können wir die Zeit nur am besten nutzen?

Jeder von uns geht ja erst einmal davon aus ins hohe Alter zu kommen. Vom Kind, zum Teenie zum Erwachsenen und als letztes sitzen wir mit grauen Haaren im Schaukelstuhl und beobachten die Natur. So sieht jedenfalls meine Vorstellung einer alten Version von mir selbst aus. Aus berühmten Kalendersprüchen lernst du, dass du jeden Tag leben sollst, als wäre er dein letzter. Viele deutschen Songs vermitteln dir, dass du nicht weißt, wann dein Sack leer ist und doch glauben wir alle, wir hätten ein ewig langes Leben. Ich denke, dass wir alle eine Vorstellung einer alten Version von uns selbst im Kopf haben.

Schon als Kinder malen wir uns aus wie wir irgendwann unseren Traummann heiraten und mit ihm alt werden. Die wenigsten tun aber etwas dafür, den Sack voll Zeit so lange wie möglich zu erhalten und vor allem gut zu nutzen. Es gibt einige Dinge, die dir ein kleines Loch in dein Säckchen bohren und deine Zeit verringern, die du bewusst nicht tust, aber unbewusst ganz genau weißt.

Warum rauchen Menschen, obwohl sie wissen, dass sie davon sterben können? Warum trinken Menschen viel Alkohol, obwohl alle wissen, dass es ungesund ist und warum ernähren wir uns so viel von Mc Donalds? Weil es alles Dinge sind, die Spaß machen und lecker sind vielleicht? Wo ist aber die Grenze zwischen Spaß und deiner Lebenszeit? Macht es dir so viel Spaß dein Geld für Zigaretten auszugeben und deine Lunge mit Teer zu füllen, dass du das vor ein langes Leben ziehst?

Ich verrate dir jetzt meine persönliche Denkweise über die Lebenszeit und wie ich sie am besten nutze. Mein ganzes Leben lang (volle 22 Jahre) war ich der festen Überzeugung alles aus dem Leben herauszuholen, was möglich ist, an Spaß und unbezahlbaren Erinnerungen. Wenn es jemals eine Gelegenheit gab sich eine unvergessliche Erinnerung zu machen, griff ich sofort zu, auch wenn ich für diese Erinnerung die Schule hab sausen lassen. Ich ließ mich an den Wochenenden nicht selten mit Alkohol volllaufen, weil ich dachte dadurch kämen die lustigsten Momente meines Lebens zu Stande. Ich ging auf jede Party, ließ keine Abenteuer aus und sagte kein Treffen mit meinen Freunden ab, einfach weil ich dachte, dass ich später mit 80 in meinem Schaukelstühlchen wippen und dabei an genau diese Momente denken würde, die mir einst so viel Freude bereitet haben. All meine damaligen Mitschüler, die besonders fleißig in der Schule waren und selbst die sonnigsten Nachmittage damit verbrachten Hausaufgaben zu machen, belächelte ich innerlich, weil ich dachte „Ich kann später sagen, ich hatte ein erfülltes Leben und ihr habt am Ende des Tages nichts weiter als ein gutes Zeugnis.“

Nach 22 Jahren sitze ich nun hier in Mailand, neben meinem wunderbaren Freund, blicke auf den riesigen Mailänder Dom und weiß, dass ich nur aus einem Grund hier sein darf: Weil ich angefangen habe meine Denkweise zu ändern.

Seien wir mal ehrlich: Die Zeit bleibt nicht stehen. Wir werden nicht ewig Party machen können, haben nicht immer die gleichen Freunde, mit denen wir die meiste Zeit verbracht haben und nachdem wir lieber Erinnerungen statt einen guten Abschluss haben wollten, sitzen wir am Ende in einem Job, der, wie für die meisten Menschen, reine „Arbeits-Zeit und Zeitverschwendung“ ist. Und dann fangen schon die „Hätte ich mal lieber“ – Gedanken an…Hätte ich mal lieber im Unterricht aufgepasst… Genau diesen Gedanken hatte ich auch und das war doch der, den ich um jeden Preis vermeiden wollte. Das war doch der Grund, weshalb ich jeden Unsinn mitgemacht habe, nur um später diesen „Hätte ich mal lieber“ – Gedanken NICHT zu haben.

 

 

Gedanken – Umbruch

Vor gut einem Jahr fand in meinem Leben etwas statt, was meine komplette Denkweise und somit auch Lebensweise verändert hat. Der Grund, warum ich jetzt der Mensch geworden bin, der ich bin. Ich bemerkte, dass meine Tage alle gleich aussehen. Ich war in einem Job gefangen, der mir keine Freude bereitet hat und der Gedanke, dass das Tag für Tag, Jahr für Jahr, mein Leben lang so weiter gehen würde, brachte mich zum nachdenken. Ich würde jeden Tag um Punkt 7 Uhr in einem Büro sitzen müssen, egal ob ich die Nacht davor gut geschlafen habe oder nicht. Egal wie mein Privatleben aussieht, ob ich da Probleme habe oder nicht. Arbeit ist Arbeit. Und Arbeitszeit hat nichts mit Freizeit zu tun. So habe ich das immer gelernt. Doch das ist doch mein Leben? Wäre es nicht besser, wenn ich selbst bestimmen könnte um wie viel Uhr ich anfange zu abreiten? Wenn ich die Nacht nicht schlafen konnte und lieber um 9 anfange statt um 7, weil ich dann auch viel produktiver bin als wenn ich um 7 da sitze und schlafe? Leider interessiert es keinen wie es mir geht oder was ich möchte.

Ich habe nie die Chance mal 2 Monate am Stück Urlaub zu machen und ein anderes Land kennenzulernen, weil mir nur eine begrenzte Anzahl an Urlaubstagen zur Verfügung steht. Ich wusste also, wenn ich nicht sofort da rauskomme, würde mein Leben bis zur Rente so aussehen und wer weiß ob ich überhaupt das Rentenalter erreiche.

Ich weiß nicht wie voll mein Säckchen mit Zeit noch ist und bevor es auf einmal leer ist, musste ich wenigstens versuchen mein Leben so zu gestalten wie ich es will. Das sichere Monatsgehalt war auf einmal weg und einen genauen Plan für meine Zukunft hatte ich auch nicht, doch ich vertraute darauf, dass es trotzdem funktionieren würde. Und das hat es auch…

Ich fing an mehr zu lesen, herauszufinden was ich wirklich möchte, setzte mir Ziele und bin immer noch dabei diese zu erreichen.

Hätte ich diesen Gedanken-Umbruch nie gehabt, säße ich immer noch in einer unangenehmen Arbeit fest und würde meine Wochenenden mit Party machen und saufen verbringen.

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