Darum bin ich Vegetarier geworden!

Erstmal war es für alle ein Schock. Nicht unbedingt, weil es so schlimm und unverständlich ist, sondern weil es so plötzlich kam. Ich, seit 22 Jahren eine Fleischesserin, plötzlich bekehrt und von heute auf morgen sagte ich: „Adé, Tier!“

Und genau in dem letzten Satz steckt der Grund: Tier!

Ich habe nach 22 Jahren bewusst erkannt, dass ich Tiere esse. Tiere, die ich, sowie die meisten anderen ebenfalls, süß finde und streichle, wenn sie lebendig sind. Und anfange zu essen, wenn sie tot sind.

Positives Feedback fiel bei meinem Umfeld schwach aus, wenn es denn überhaupt existierte. Und ich kann es sogar verstehen. Erstmal jedenfalls. Denn wir Menschen brauchen Fleisch. Fleisch ist lecker, Fleisch ist gesund und ohne es würde unserem Stoffwechsel etwas fehlen. Wir sind Fleischesser von Geburt an. Haben zwar keine spitzen Zähne wie die wahrhaftigen Fleischesser der Natur, aber das spielt keine Rolle. Die Natur sieht es vor den Menschen über das Tier zu stellen und gibt uns somit das Recht und ein gutes Gewissen, es mit Leichtigkeit zu verspeisen.

In Wahrheit sieht es nicht die Natur vor, sondern der Mensch an sich, der sich selber das Recht herausnimmt, zu foltern, um unsere Geschmacksnerven zu beflügeln. Doch wenn wir Fleisch zum Leben brauchen, warum ist dann die Glucose das Mittel der Zellatmung, sprich das Mittel zum Überleben und nicht das Tier?  Und warum leben Vegetarier noch? Sollten die nicht längst verhungert sein?

Es gab tatsächlich Zeiten, in denen der Mensch Tiere essen musste, um zu überleben. Da klopfte der natürliche Überlebensinstinkt eines jeden Menschen an und befahl es uns. Dies war in Zeiten, in denen es keine anderen Nahrungsmittel gab. Keine Früchte, kein Gemüse. Die Inuits, die die Fische verspeisen müssen, weil es in der tiefsten Eisregion sonst nicht viel gibt.

Selbst wenn es heute zu der Situation kommen sollte, in der man vor der Wahl steht: Tier töten und schlucken oder sterben. Dieser Mord wäre gerechtfertigt, da es um das eigene nackte Überleben geht. Auf jeden Fall wäre es verständlich. Für mich jedenfalls.

Auch bekomme ich häufig die Frage zu hören: Aber was isst du denn eigentlich, wenn kein Fleisch? Was gibt es denn da überhaupt?

So, als gäbe es nur Tier zu essen.

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Die Generation meiner Großeltern verstehe ich da ja vollkommen. Ehrlich. Sie sind in dem Glauben aufgewachsen, Fleisch sei gesund und wichtig für den Menschen. Außerdem galt es als Luxusgut, da nach dem Krieg an Lebensmitteln keine große Auswahl vorhanden war. Und man soll glücklich sein mit allem, was man kriegen kann. Es gibt Menschen auf dieser Welt, die hungern müssen, also sollen wir unsere Luxussituation Essen zu schätzen wissen und gefälligst ausnutzen! „Der Teller wird leer gegessen, sonst gibt es morgen schlechtes Wetter!“ Und was war? – Am nächsten Tag regnete es trotzdem.

Statt sich die Armut vieler Menschen als Grund zu nehmen, den Teller leer zu essen, kein Essen wegzuschmeißen oder alles zu essen, was wir zu Hause haben, sollten wir in erster Linie darauf achten, unserem Körper etwas Gutes zu tun. Du bist, was du isst. So it is. Indem wir unsere Bäuche überfüllen, ist noch lange keinem hungernden Kind geholfen.

Ob es nun gesund ist oder nicht, sich von Fleisch zu ernähren, dazu gibt es viele Meinungen, viele Ansichten, viele Studien. Du kannst dir aussuchen, welchen du Glauben schenkst und welchen du einfach deinen Glauben schenken möchtest. Für mich gab es jedenfalls einen ausschlaggebenden Grund die Fleischesserei aufzugeben, und der hatte wenig mit Gesundheit zu tun. Es ist die Moral.

Aufgabe: Nenne mir einen Grund, der MORALISCH vertretbar ist, Fleisch zu essen!

Dir fällt keiner ein? Zumindest kein wirklicher? Der Grund „lecker“ zählt übrigens nicht dazu. Mir fällt auch keiner ein.

Zuerst sah ich nur ein Schnitzel mit Champions, dann sah ich ein Schwein auf meinem Teller sitzen. Das ist meiner Meinung nach ein wichtiger Faktor. Die meistens Menschen sehen ihr Fleisch nicht als Tier an, sondern schlicht als Nahrung. Obwohl doch jeder weiß, dass es ein Tier ist. Aber etwas in uns, macht es für uns unsichtbar, ein Tier zu sehen. Die sogenannten Spiegelneuronen.

Ein Schnitzel sieht nämlich nicht aus wie ein Schwein. Deshalb fällt es uns auch leicht es zu verspeisen. Würden die Tiere auf unseren Tellern aber so aussehen, wie sie lebend aussehen, wären ein paar Menschen der Appetit vergangen. Da bin ich sicher.

Die Verbindung von totem Fleisch und lebendigem (süßen) Tier fehlt einfach. So konnte ich die vergangenen 22 Jahre voller Genuss, ein paar Stückchen Ente verputzen. Und es hat mir damals geschmeckt. Obwohl die Ente zu meinen Lieblingstieren zählt. Jetzt ist es für mich unvorstellbar. Schon allein, weil ich mich als Mensch nicht über das Tier stelle. Über die Natur.

Was wäre, wenn Außerirdische, die viel größer und stärker sind als wir, plötzlich unseren Planeten Erde befallen? Noch dazu sprechen sie eine Sprache, die für uns unverständlich ist. Ebenso für sie die unsere. Zuerst stecken sie uns in enge Käfige, anschließend mästen sie uns, damit mehr zum Naschen an uns dran ist und nachdem sich jeder mit jedem vermehrt hat, setzt man uns auf die Schlachtbank.

Der Grund, weshalb Menschen höhere Wesen seien als Tiere, ist vor allem die Sprache. Wir sind intelligent, da wir eine Sprache sprechen, mit der wir uns verständigen können und weil wir mit Werkzeugen umgehen können.

Jetzt kommt die Neuigkeit des Tages: Tiere haben auch Sprachen! Wahnsinn, oder? Oder glaubst du Vögel singen, weil sie eine Gesangskarriere starten wollen?

So ganz nebenbei stammen wir hochintelligenten und weisen Wesen von unseren haarigen Freunden, den Affen ab. (Also von den Tieren) Genetisch unterscheiden wir uns in nur ungefähr 1% von den Schimpansen.

Im Großen und Ganzen, kann ich es mit meinem Gewissen einfach nicht mehr vereinbaren Tiere genüsslich zu verzehren, während ich am nächsten Tag in den Streichelzoo gehe und sie mit voller Begeisterung bestaune und streichle. Sie haben ein Recht auf Leben, genau wie wir Menschen auch.

Und wir Menschen haben erst recht kein Recht, uns in das Leben anderer Lebewesen einzumischen und es zu zerstören, indem wir ganz egoistisch foltern und töten. Doch wir halten uns für so intelligent, in die Mutter Natur einzugreifen und nach Belieben Leiden zu erschaffen. Und ich bin sicher eine Kuh leidet, wenn sie ihr neugeborenes Kalb abgeben und nie wieder sehen darf. Wenn ihr Kleines gemästet wird mit Nahrung, das den hungernden Menschen vor der Nase weggenommen wird, um nachher als Schnitzel auf der Speisekarte zu stehen. Ich bin sicher ein Schwein leidet, wenn es sein ganzes Leben auf nichtmal einem Quadratmeter verbringt, um am Ende mit den Beinen von der Decke zu hängen.

Genau diese Folter, die Massentierhaltung, das Zerstören eines glücklichen Lebens vor dem Tod, das Spielen des Sensenmannes, das sind die Gründe, kein totes Tier mehr in meinen Magen zu lassen.

Selbst wenn ich nur einem Tier damit das Leben rette, oder keinem, so rette ich mein Gewissen. Und wenn sich mehr Menschen für ein gutes Gewissen entscheiden, können mehr Tiere am Leben bleiben.

Ich möchte mit dem Text niemanden überreden Vegetarier zu werden, denn ehrlich : Es ist mir vollkommen gleich, ob du Fleisch isst oder nicht. Ob ich die Einzige in meiner Familie bin, die sich fleischlos ernährt. Ob mein Umfeld lieber Currywurst isst, als darauf zu verzichten. Vielleicht hat der Text dich zum Nachdenken angeregt, vielleicht findest du es totalen Quatsch. Es ist alles ok. Denn das, ist nur meine Ansicht. Nicht mehr und nicht weniger.

 

 

Ein Kommentar zu „Darum bin ich Vegetarier geworden!“

  1. Wirklich interessanter Text. Ich selber könnte nicht Vegetarisch leben, aber ich achte darauf wo ich mein Fleisch & Wurst kaufe etc. Ich glaube das ist erstmal ein guter Anfang.

    Lg Nicky

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