Der Regen, der mit dir spricht

Die Tropfen plätschern auf die kalten Pflaster. Das Wasser verfärbt. Alles wird dunkel. Die Sonne verschwindet hinter grauen Wolken. Niemand weiß wann sie sich wieder blicken lässt. Die Welt verbreitet eine Stimmung, die an Depression erinnert. So grau, so aussichtslos. Sie will nicht genutzt werden. Sie will uns damit vielleicht etwas sagen. Der Regen spricht. 

Er will uns sagen, dass wir heute besser nicht raus gehen sollen. Dass es besser für uns ist das Schauspiel von Innen zu beobachten. Nachzudenken. Die Sonne ermöglicht uns alles. All das Leben wird durch ihr gewonnen. Doch ist sie mal nicht da, so wollen wir auch nicht raus. Unsere Körper sind heilig, das Aussehen wichtig. Der Regen würde all das zerstören. 

Unser Denken will das Wetter nutzen. Die Sonne durch ihr Verschwinden zeigen wie dankbar wir sein sollen. Für unser Leben, für unseren Planeten. Wir zwingen uns selbst zu Hause zu bleiben. Im besten Fall ist die Spannung weg. Der Strom fort. Unsere Ablenkungsprogramme können nicht benutzt werden, die Werbung und die schlechten Nachrichten bleiben heute aus. Der starke Regen verhindert, dass wir uns Gedanken machen über die Figuren irgendeiner Serie, über die vielen Opfer der Welt, die durch unser Nachdenken nicht gerettet werden können. All das fällt weg. Was bleibt sind wir selbst. 

Gefangen im Haus, weil wir selbst die Gitterstäbe in den Beton stecken. Mit dem Licht in der Hand. Die Kerze brennt. Was machen wir, wenn plötzlich alle Möglichkeiten der Ablenkung verschwunden sind? Wir können nicht anders als auf unser Selbst zu schauen. In unsere tiefsten Gedanken horchen und forschen was sich darin befindet. Sich um die Menschen kümmern, die sich ebenfalls gefangen nehmen. Im selben Haus. Im selben Raum. Solange der Regen spricht, sollen wir denken. Sollen wir reden. 

Doch breitet sich das helle Sonnenlicht wieder über unser’m Dache aus, so hören wir sofort damit auf. Und gehen raus. 

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