Umgeben vom Militär und Enten

Von Aachen ging es dann weiter Richtung Nordfrankreich, um da einen Tag später mit der Fähre nach England überzusetzen. Das erste Mal ohne Campingplatz. Das erste Mal einfach mitten in der Natur. Und es war unglaublich schön. Ein Gefühl von Freiheit und Unbefangenheit. Noch dazu standen wir direkt an einem Fluss und um uns herum wimmelte es von dutzenden von Enten, Schwänen und Küken. Ein Traum für jeden Natur- und Tierliebhaber. 

Alles war still. Nur die Enten schnatterten. Ein wunderbares Geräusch. Während ich in unserer Küche stand und das Abendessen vorbereitete, konnte ich ein lustiges Schauspiel beobachten. Zwei Entenmänner, die mit ihrem Kampf versuchten die Entendame zu beeindrucken und für sich zu gewinnen. Da aber keiner den Kampf gewonnen hat, versuchten sie es dann beide bei der Dame. Erfolglos. Nach dem Essen haben wir es uns wieder in unserem Bett gemütlich gemacht, mit unserer derzeitigen Lieblingsserie Californication. Alles schien perfekt. Bis auf einmal unser Bus anfing zu wackeln. Doch nicht wegen uns. 

 

Zwei Militärautos parkten unmittelbar neben unserer schönen Wohnung auf vier Rädern. Mindestens sechs muskulöse Männer in Militärkleidung stiegen aus, brutzelten zartes Fleisch auf dem Grill und legten mit ihren akrobatischen Sportübungen los. Direkt vor unserem Bus. Nachdem ich die Bewegungen unseres Busses spürte, schaute ich vorsichtig hinter der Gardine hervor, um zu sehen woher diese Bewegungen kommen. Dann sah ich es. Einer der Männer in Uniform versuchte sich an einem Salto, während die anderen aus Sicherheit immer wieder auswichen. Und dabei gegen unseren Bus stießen. 

Sie dachten wohl, dass niemand im Bus wäre, wir haben vorher auch alles abgedunkelt. Ich beobachtete sie noch eine Weile, doch sie bemerkten mich nicht. Erst als einer dieser Männer lange Stöcke vom Boden aufhob, um diese nach den süßen Entlein zu werfen, machte ich mich bemerkbar. Ich öffnete die Tür und zeigte ihnen meine Meinung mit bösen Blicken. Doch er hörte nicht auf. Ich wusste nicht genau was ich machen sollte, arme kleine Tiere mit harten Stöcken abzuwerfen ist für mich alles andere als vertretbar. Im Gegensatz zu ihnen. Sie machten sich einen Spaß daraus und hörten gar nicht mehr auf darüber zu lachen. 

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Könnte ich französisch sprechen, so hätte ich definitiv meinen Mund aufgemacht, völlig egal ob mir das Militär gegenübersteht oder jemand anders. Aber leider hätte ich mit einem „Bonjour. Je m’ appelle Jasmin.“ nicht viel erreichen können. Und viel größer ist mein französischer Wortschatz noch nicht. 

Zum Glück war dann ihr leckeres Fleisch fertig und sie legten ihren Fokus auf das Verspeisen. Den Enten ist zum Glück nichts passiert. Sie kamen, nachdem die Männer wieder verschwunden waren, zurück. Und schnatterten glücklich weiter. Jedenfalls klang es für mich so, als wären sie glücklich. 🙂

 

Eure Jasmin

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