England bei Nacht – Horror erwacht!

Mit der Fähre ging es dann von Calais nach Dover. Nach dem wunderschönen Tag in der Natur, fanden wir Gefallen am Camping im Freien und wollten das in England auch fortführen. Jedoch erwies es sich als überaus schwierig einen guten Platz zu finden. Bis heute ist es jeden Tag eine Herausforderung, mit der wir zu Anfang überhaupt nicht gerechnet hatten. 

Und es ist jetzt schon unser fünfter Tag in England. 

In Dover angekommen, so gegen sieben Uhr abends, sollte es einen schönen Platz zum Übernachten geben, der nur eine Stunde entfernt sein sollte. Kein Problem. Schon wäre es gewesen. Doch vorher brauchten wir noch eine Data Sim für unseren Router, der uns mit täglichem Internet dienen sollte. Schließlich sind wir abhängig vom Internet, denn ohne Internet kein Job. Leider durften wir feststellen, dass es als Nicht-Brite super schwer ist einen guten Tarif zu bekommen, mit dem wir länger als drei Tage auskommen. Es ist schier unmöglich. Denn was man hier benötigt sind nicht nur eine britische Adresse, sondern auch ein britisches Bankkonto. Wer nicht hier wohnt hat Pech gehabt. Und für einen digitalen Nomaden ist Pech noch untertrieben ausgedrückt. 

Nach dieser Hiobsbotschaft ging es dann zurück zum Auto und auf zum Schlafplatz. Der Blick in die Welt verriet, dass es nur noch ein paar Minuten dauerte bis es komplett dunkel ist. Mitten durch die engen Straßen Englands, typisch englische Wohngebiete, wo die Straßenränder mit Autos zugeparkt sind, ist es schon eine Kunst mit einem Bus keinen anderen Wagen zu berühren. Sogar rückwärts habe ich es geschafft! Ein Hoch auf mich! 

„Sie haben ihr Ziel erreicht.“, sagte schließlich die sympathische Stimme des Navis. Das Ziel war ein Friedhof. Beziehungsweise ein Parkplatz, der direkt neben einem Friedhof war. „Hier schlafe ich bestimmt nicht“, sagte ich sofort zu Alex. „Wieso? Die sind doch schon alle tot und schlafen ja quasi auch.“

„Ja genau. Bis 00:00, dann stehen sie wieder auf.“, erwiderte ich.

Selten hatte ich so ein unwohles Gefühl im Magen, doch neben so vielen Leichen zu schlafen beschert mir bestimmt keinen seelenruhigen Schlaf. Wir fuhren also weiter. Mittlerweile war es schon duster und ganz England hat sich plötzlich in einen Horrorfilm verwandelt. Vielleicht habe ich es mir nach dem Friedhof auch nur eingebildet, doch ganz England erinnert mich bei Nacht einfach an das Setting eines Zombiefilms im 70-er- Jahre – Stil.

Sämtliche weitere Parkplätze haben wir in dieser Nacht noch abgeklappert, die auf dem Handy als gute Schlafplätze für Camper dargestellt wurden. Doch bei jedem weiteren „Sie haben ihr Ziel erreicht.“, sahen wir komischerweise keinen Parkplatz, sondern lediglich einen Wald. Es wurde immer gruseliger. Plötzlich schickt uns das Navi nicht nur zu einem Friedhof, sondern auch zu jedem naheliegenden Wald. 

Wir haben schon fast die Hoffnung aufgegeben in dieser Nacht noch einen Schlafplatz zu finden. Ich spielte kurzfristig mit dem Gedanken einfach nachts um ein Uhr, nach einem Tag voller langer Auto-und Schifffahrten, nach London durchfahren zu müssen. „Ich habe gerade ein Hallenbad gesehen. Lass und einfach da schlafen.“, meinte Alex, ebenfalls todmüde, zu mir. „Warum nicht. Dann haben wir morgen früh wenigstens schonmal eine Dusche.“ 

 

Eure Jasmin

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